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Flora und Vegetation der Rheinufer bei Bonn
 

           

links: Blick von der Nordbrücke in Bonn nach Süden bei Niedrigwasser im Juli 1998
rechts: Limosella aquatica, der Schlammling, am linken Rheinufer bei Bonn-Nord, zusammen mit einer Vaucheriaceae
(Botrydium cf. granulatum) auf trockengefallenen, schluffigen Uferbereichen (7/98)
 

Kontakt:
Monika Hachtel, Sternenburgstraße 74, 53115 Bonn, Email: m_hachtel@yahoo.com
Klaus Weddeling, Buntspechtweg 19, 53123 Bonn, Email: kweddeling@aol.com

Zusammenfassung:

Durch Befestigung der Ufer, Bebauung, landwirtschaftliche sowie Freizeit-Nutzung stellt sich die Rheinaue bei Bonn heute ausgesprochen naturfern und überformt dar. Dennoch und z. T. gerade wegen der anthropogenen Einflüsse findet sich entlang des Rheinufers auch aktuell noch eine artenreiche und vielgestaltige Vegetation, in der allerdings typische und anspruchsvolle Auenarten weitgehend fehlen. In der Vegetationsperiode von 1995 führten wir eine floristische Kartierung der Rheinufer im Bereich der Stadt Bonn (Strom-km 642,5 bis 659,5) durch, bei der mehr als 400 Sippen nachgewiesen werden konnten. Ein Großteil dieser Pflanzen sind häufige und verbreitete Ruderalarten, daneben ist aber auch eine recht hohe Anzahl seltener und gefährdeter Sippen sowie charakteristischer Stromtal- und Auenarten bemerkenswert. Auf den steilen, verfugten Basaltmauern innerhalb der an den Rhein angrenzenden Ortschaften dominieren Ruderalarten der Artemisietea und stellenweise trockenheitstolerante Fels- und Sandrasenarten der Sedo-Scleranthetea. Auf den ausgedehnten Kies- und Sandflächen, die bei Niedrigwasser vor allem zwischen den Kribben entstehen, bilden sich im Sommer charakteristische Pioniergesellschaften aus der Klasse der Bidentetea. An einigen süd- bis südwest-exponierten Basaltpflasterungen des rechten Rheinufers gedeihen wärmeliebende Arten der Halbtrockenrasen des Mesobromion sowie Weinbergunkräuter, welche vermutlich aus den Weinbergen von Dollendorf und Königswinter stammen. Auffällig ist entlang des gesamten Uferabschnittes die hohe Zahl an Neophyten und Kuturbegleitern, die sich gerade an einem solchen Standort mit hohem anthropogenen Einfluß, aber auch natürlicher Dynamik etablieren können.
 

Abstract:

Nowadays the reinforcements of banks, agriculture as well as the high density of development along the river Rhine cause a landscape enormously influenced by men and far from natural conditions. Nevertheless and in some cases even due to this anthropogenous influence along the embankments one can find a various and rich vegetation with a high number of different species. However typical plants depending on flood plains are nearly missing. During the summer of 1995 we identified and mapped more than 400 taxa along the banks of the river Rhine in the area of the city of Bonn (km 642,5 to 659,5). Most of them are common and frequent species of ruderal character, in addition special plants characteristic for big rivers are remarkable. Near the built-up areas steep and stoneworked banks with ruderal vegetation (Artemisietea) and sometimes also thermophilic plants of rocks and sandy soils (rupicolous and psammophytic plants, Sedo-Scleranthetea) dominate. On the extensive sandy and gravel banks pioneer-associations develope during the summer (Bidentetea). At last one can find a large number of rare and endangered species especially on the south- and southwest-exposed embankments of the river. Some of them are plants typical for dry meadows (Mesobromion), others derived from vineyards, which exit in the surrounding of Dollendorf and Königswinter in the south of Bonn. Along the whole section of the banks many neophytes and synanthropic plants grow; the reason for that might not only be the high human influence but also the natural dynamics of this location.

 

Die Arbeit ist unter folgendem Titel publiziert:

Hachtel, M., Weddeling, K. und B.M. Möseler (1999): Flora und Vegetation der Rheinufer bei Bonn - Characteristics of flora and vegetation in the banks of the river Rhine in the area near Bonn. - Decheniana 152, 65-81

Die Untersuchungen wurden am Institut für Landwirtschaftliche Botanik, Abt. Geobotanik und Naturschutz, Bonn, durchgeführt.

Auf Anfrage kann ein Sonderdruck zugesandt werden.

 
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